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Boiler Room - einzigartiges KoNzept auf höchstem Niveau

Nr.02 - April 2015
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In der AUDIENZ bei Inhaberin Claudia Schiemer in Linz plaudern wir in ihrer neuen Bar, dem Boiler Room über dieses einzigartige Konzept und was sie bewegt hat in Linz mit einem derartigen Highlight in der heimischen Bar-Szene sesshaft zu werden.
Die Erfolgsgeschichte der erfahrenen Gastronomin aus Weyregg bringt eines ganz konkret am Punkt: Man darf nie aufhören seinen Traum zu leben!

 

Prost: Frau Schiemer – Ursprünglich hatten Sie eine kaufmännische höhere Ausbildung genossen. Wie kam es zu dem Entschluss Gastronomin zu werden?

Richtig, das war so nicht geplant, denn ich habe mich nie in der Gastronomie gesehen. Nach meiner Lehre als Bürokauffrau und dem Abschluss der Handelsakademie war es immer schon ein Traum von mir ins Ausland zu gehen. Ich wusste nicht konkret wohin und auch nicht in welche berufliche Richtung mich mein Weg führen sollte, aber die Sehnsucht wegzugehen war immer da. Ganz spontan habe ich meine Koffer gepackt und innerhalb von zwei Wochen war ich dann auch weg. Damals habe ich mich in Österreich nicht so wohlgefühlt. Ich hatte immer schon große Träume.


Wohin ging die Reise mit dem gepackten Koffer?

Ich habe mich in Amerika (Los Angeles) bei der Reederei Crystal Cruises bzw. dem sechs Sterne plus Luxuskreuzfahrtschiff beworben und dort dann ganz unten begonnen, hinter der Bar. Dort ist die Liebe, Gastgeber zu sein stark gewachsen. Ich habe dort viele Stationen durchgemacht: Von der Bar bis hin zum Barkeeper, Weinsommelier, Front Desk, Crew Account, F&B Controller und zuletzt eben Chief Account. Als drei Streifen Offizier im Top Management war ich verantwortlich für die Finanzen am Schiff und gleichzeitig immer in dieser Hotel-Atmosphäre.

 

Frau Schiemer, das klingt ja alles wie im Märchen. Wie viele Jahre haben Sie letztendlich auf dem Schiff verbracht und wie ist es Ihnen in der großen weiten Welt ergangen?

Ganz konkret begann ich diesen Job am Luxusschiff 1990 und blieb knappe 15 Jahre. Die Branche hatte mich immer mehr fasziniert, wobei mir meine Mutter immer davon abgeraten hatte, da es in diesem Job schwer sei eine Familie zu gründen. Die Crew war dann  am Schiff meine Familie und ich hatte einen tollen Mentor, der mich grandios förderte. Grundsätzlich kam ich ohne Vorkenntnisse über Finanzmanagement auf das Schiff. Man hat mich dann einfach in die verschiedensten Positionen hingesetzt und an mich geglaubt. Natürlich entwickelt man einen gewissen Ehrgeiz, ansonsten hätte das alles nicht funktioniert. In Quebec habe ich erstmals das Schiff gesehen und dann stand da ein Offizier mit drei Streifen und ich dachte mir: „Eines Tages habe ich deinen Job“.
Trotzdem war ich gerade zu Beginn am Verzweifeln. Business englisch in einem perfekt organisierten Unternehmen war zu Beginn einfach eine Herausforderung. Ich habe mir aber immer wieder gesagt, dass ich einfach durchhalten muss. Man liegt da alleine in einer unluxuriösen 6 m2 Kabine auf einem Deck unter Wasser und kennt keinen Menschen. Es war beinhart. Aufgeben wollte ich nicht und heute bin ich dankbar für diese Erfahrung. Rund 1.200 Gäste wollen permanent auf höchstem Niveau bedient werden. Das wirkt sich natürlich auch auf die Arbeitsstunden aus. Da ist eine 100-Stunden-Woche, verteilt auf sieben Tage, keine Seltenheit. Eines darf man aber nie vergessen, man kommt an die schönsten Plätze der Erde. Mehrmals. In Hafennähe kennt man irgendwann die Lokale rund um den Globus und verdient haben wir zu dieser Zeit natürlich auch nicht schlecht (schmunzelt). Das war schon ein spannender und schöner Lebensabschnitt.

 

Gab es in Ihrer Zeit auf dem Schiff ein besonderes Erlebnis, das Sie uns erzählen können und warum, Frau Schiemer haben Sie diese tolle Karriere aufgegeben? Sie hatten ja ihr großes Ziel, die drei Streifen, erreicht.

Zuerst zum besonderen Erlebnis, da gab es schon Einiges. Bill Gates hatte einmal das ganze Schiff für drei Tage gechartert. Neben Stars wie Paul Allen, David Cameron, Gina Gersen oder Robin Williams zu stehen war definitiv spannend. Plötzlich steht sie daneben, die kleine Claudia aus Weyregg. Zur zweiten Frage, warum ich das alles aufgegeben habe: Ich dachte mir einfach, das kann es nicht gewesen sein. Natürlich spielt Heimweh auch eine Rolle aber letztendlich wurde mir irgendwann klar, dass ich das nicht bis an mein Lebensende machen will.

 

Wie kam dann der Schritt in die Selbständigkeit?

In Österreich war es schwer wieder einen Job zu finden, der so gut bezahlt ist. Manchmal muss man eben ein Risiko eingehen um letzten Endes wieder erfolgreich zu sein. Zunächst wollte ich in Österreich im Controlling Fuß fassen. Ich habe dann erfahren, dass die Lennox Bar zum Verkauf steht und in mir wurde der Traum einer eigenen Bar geweckt. Die vorausschauende Arbeitsweise am Schiff hat mir sicherlich geholfen diese Bar in Bezug auf die Kundenorientierung stets auf höchstem Niveau zu halten. Aber den Perfektionismus bzw. den Anspruch mit jedem Tag den Gästen mehr bieten zu können, lies ich mir von niemandem ausreden. Gerade am Anfang war die Bar dementsprechend leer. Man hat mein Konzept damals einfach noch nicht verstanden. Viele der „übernommenen“ Stammgäste konnten beispielsweise nichts mit der Musik anfangen. So fing ein steiniger und harter Weg an, der dann auch zwei Jahre andauerte. Letztendlich lag es aber nicht nur an meinem Ehrgeiz, dass sich danach der Erfolg einstellte. Man braucht Personal, das diesen Weg und diese Ideen mit einem lebt. Ohne mein Team, hätte das nie so gut funktioniert.


Was war ausschlaggebend für den Boiler Room?

Nach dem Verkauf der Lennox Bar wollte ich wieder auf´s Schiff. Aber nach kurzer Zeit an Board wurde mir klar, dass ich mich zu sehr verändert hatte. Das stressige Leben am Schiff war ich einfach nicht mehr gewohnt, was mich eigentlich schockiert hat. Immerhin hatte ich es mir so sehr herbeigesehnt und plötzlich merkt man, dass es nicht mehr zu einem passt. Also kam ich zurück nach Österreich mit dem fixen Bestreben meine Traumbar zu eröffnen. Wo diese Bar sein wird, wusste ich damals noch nicht. Das hätte genauso gut Los Angeles sein können. Konkreter wurden meine Pläne aber in Wien. Tagelang hab ich mir die Stadt und seine Bar-Szene angesehen. Linz schien mir aber trotzdem der richtigere Platz zu sein.


Wie würden Sie den Boiler Room beschreiben?

Für alle unsere Cocktails verwenden wir Premium Spirituosen, von Absolut Elyx bis hin zu Beefeater 24. Unsere Musik wird von Deep House dominiert aber es ist mir vor allem wichtig, dass mein Personal meine Vision mit mir lebt. Was dabei herauskommt ist ein grandioses Team, das stets bemüht ist seinen Gästen einen schönen Abend mit grandiosen Drinks zu ermöglichen. Unterstützend für dieses euphorische Feeling für die Sache ist das Feedback unserer Gäste. Ganz egal was einem der Gast sagt, es beflügelt. Wenn man stets ehrlich zu sich bleibt und akzeptiert, dass sich gewisse Komponenten eines Drinks saisonal im Geschmack ändern, dann ist das der Grundstein für konstant herausragende Drinks. Es muss doch einen Unterschied im Geschmack machen, wie reif eine Ananas ist. Wann wurde der Zitronensaft gepresst? All diese Dinge ändern den Geschmack. Unsere Signature Drinks werden zum Beispiel immer wieder abgeändert, um sie „Boiler Room Style“-einzigartig zu machen. Dieses Maß an Genauigkeit verpackt mit Freundlichkeit in einem exklusiven Ambiente, kombiniert mit unseren hochqualitativen Drinks macht für mich den Boiler Room zu einer Traumbar.


Abschließend, Frau Schiemer, verraten Sie uns ihr persönliches Erfolgsrezept?

Spaß an der Sache zu haben und so oft es geht vor Ort zu sein. Nur so bekommt man ein Gefühl für seine Gäste und kann auf wichtige Dinge reagieren. Man merkt, welche Kunden gerne an welchem Tisch sitzen, welchen Gästen welche Drinks gut schmecken und viele andere Kleinigkeiten. Zu wissen, was in meiner Bar passiert beruhigt mich nicht nur, sondern ermöglicht mir ständig besser zu werden.

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